Wie die Hörbuchwelle aus den USA nach Deutschland schwappte (Teil 1) Hot

usa-audiogeschichte-foto001„Ein Klassiker ist ein Autor, dessen Bücher als Kassette zu haben sind“, verkündete der Schriftsteller und Theaterkritiker Hans Weigel. Heutzutage gehören Kassetten natürlich längst zum alten Eisen, aber Hörbücher sind nicht mehr wegzudenken aus unserer Gesellschaft. Audiobooks sind nicht nur eine Alternative für Leseunwillige, sondern durch die stimmungsvolle Umsetzung der Romanvorlage oft auch mit einem zusätzlichen Spannungsbogen ausgestattet – und oft sogar von prominenten Personen aus Film und Fernsehen gelesen.

Entstanden ist das Hörbuch jedoch nicht erst mit den vertonten Jugendromanen der „TKKG“ und Enid Blyton‘s „Fünf Freunde“-Serie, sondern schon lange zuvor! Thomas Edison sprach 1877 den Kinderreim “Mary had a little lamb” auf die von ihm erfundene Edisonwalze – und legte damit den Grundstein für unsere heutigen Audiokonserven! Zehn Jahre später kam dann Edisons weiterentwickelte Wachswalze auf den Markt, welche aber durch die Schellackplatte vom Markt verdrängt und 1929 eingestellt wurde.

Die Entwicklung des „gehörten Buchs“ in den USA

Anfang der 1930er Jahre entdeckte man in den USA die Vorzüge der Phonographie für blinde Mitbürger. Zunächst gründete der amerikanische Kongress das „Audiobook Program“, und ein Jahr später wurde es durch die „American Foundation of the blind“ weiter ausgebaut. Hörbücher wurden damals an blinde Mitbürger versandt, was bis heute beibehalten wurde. Der „National Library Service (NLS) for Blind and Physically Handicapped“ bietet gesundheitlich eingeschränkten Amerikanern ein breites Angebot – im 2008 wurden 24 Millionen Hörbücher an über 824 000 Menschen verteilt (Quelle: NLS Webseite).

Viele Autoren standen dem Hörbuch lange Zeit skeptisch gegenüber, sodass zunächst überwiegend lizenzfreie Publikationen erhältlich waren. Mit der Entwicklung des Kassettenrekorders entdeckte der Buchhandel dann Anfang der 70er Jahre das Marktpotenzial für Hörbucher. Die „Books on Tape Corporation“ entwickelte zunächst Pläne für den landesweiten Verleih von Hörbüchern, und erweiterte ihre Dienstleistungen später auf den Verkauf von Tonträgern an Bibliotheken. Bis Mitte der 80er Jahre wuchs der Audio-Publishing-Markt auf mehrere Milliarden Dollar Jahresumsatz an. „Caedmon Audio“ war dabei der erste Audiobuch Verlag, der die Vertonung von Romanen mit professionellen Schauspielern vornahm, während der Anbieter „Nightingale-Conant“ sich den Zweig der Business- und Selbsthilfe Literatur unter den Nagel riss.

Im Jahre 1986 schlossen sich sechs Unternehmen zusammen und gründeten die „Audio Publishers Association (APA)“, um nochmals kräftig die Werbetrommel für die Hörbuchbranche zu rühren. Mittlerweile ist die APA einer der führenden Verbände von Audiobuchverlagen in den USA. Sie hat 1996 auch den Audie Award ins Leben gerufen, der nun jährlich vergeben wird. Im Stil der Oscar Verleihung werden im Januar die Nominierten bekannt gegeben und im Frühjahr findet dann in Verbindung zur BookExpo America ein groß aufgezogenes Gala-Bankett statt, an dem die Gewinner des Audie Awards gefeiert werden. Wir sind gespannt, wer dieses Jahr das Rennen macht!

 

Wer den ersten Teil dieses Artikels noch nicht gelesen hat, kann dies hier nachholen: "Wie die Hörbuchwelle aus den USA nach Deutschland schwappte (Teil 2)"


Text von Reto Stuber
Foto von Michael Casey (www.flickr.com)


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