Wie die Hörbuchwelle aus den USA nach Deutschland schwappte (Teil 2) Hot

usa-audiogeschichte-foto002Der Beitrag von Deutschland in der Hörbuchbranche

Nachdem wir im ersten Teil die amerikanische Geschichte der Hörbuchindustrie unter die Lupe genommen haben, machen wir nun einen Sprung über den Atlantik, denn auch Deutschland trug maßgeblich zum Erfolg der Tonträger Industrie bei! Nachdem der Erfinder und Industrielle Emil Berliner erkannt hatte, dass die neue Tontechnik einen großen wirtschaftlichen Erfolg in der Musikindustrie bot, entwickelte er 1887 das erste Grammophon. Zunächst versuchte er, in den USA Investoren für seine “Schallplatten” zu gewinnen. Nachdem dies scheiterte, fand er schließlich eine deutsche Spielwarenfabrik in Tübingen, welche die ersten rußgeschwärzten Glasschallplatten herstellte.

Ab den 1920er Jahren wurden dann Schriftsteller und Kabarettisten unter Vertrag genommen, um neben Musikplatten auch gelesene Texte zu produzieren. Genau wie in den USA wurde das Hörbuch auch von Blinden sehr geschätzt, der Begriff wurde an der 1954 in Marburg gegründeten Blindenbibliothek geprägt.

Ende der 1970er Jahre wurde die Schallplatte dann von der Kassette abgelöst. Obwohl eine große Vielfalt an Lesungen auf Kassette erhältlich war, stagnierte der Markt bis Ende der 1980er Jahre. Ab 1990 gelang es dem Goldmann Verlag, mit Krimis auf Kassette einen Markt für das Hörbuch zu schaffen, der mittlerweile genau so groß ist wie der Buchmarkt.

Während die Umstellung des weltweiten Musikmarktes Anfang der 1990er Jahre von Kassetten auf die neu aufkommenden CD’s schnell Erfolge erzielte, waren die Hörbuch Kunden weit zurückhaltender. Ein Grund mag sein, dass beim Abspielen einer CD nicht die Abspielposition gesichert war, wie bei der Kassette. Spätestens nachdem der CD Player jedoch das Kassettendeck im Auto ablöste, stieg auch die Nachfrage an Audiobüchern auf CD. Heutzutage ist ein Großteil der neuen Romane auch als Hörbuch erhältlich. Kunden entscheiden sich auch nicht mehr zwischen Buch und Hörbuch, sondern kaufen zum Teil sogar beides.

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  • Eine umfangreiche Sammlung an Vertonungen von Wachswalzen hat die University of California in Santa Barbara zusammengestellt. Unter http://cylinders.library.ucsb.edu/ kann man hier auf Zeitreise in die Anfänge der Tonaufnahmen gehen.

Und noch eine kleine Anekdote zum Schluss: Edison und Berliner werden als Erfinder für die Tonwiedergabegeräte gefeiert. Doch war es der Franzose Edouard-Leon Scott de Martinville, der bereits 1857 seinen sogenannten Phonautographen beim Patentamt anmeldete. 1860 gelang es ihm, das Kinderlied “Au Claire de la lune” mithilfe eines Trichters einzufangen und mit einer Membran, die die Schwingungen auf eine Schweineborste übertrug, auf eine rußgeschwärzte Walze zu kratzen. Da der Phonautograph jedoch nicht in der Lage war, den aufgenommenen Ton wieder zu geben, blieb der große Ruhm für de Martinville aus.

 

Wer den ersten Teil dieses Artikels noch nicht gelesen hat, kann dies hier nachholen: "Wie die Hörbuchwelle aus den USA nach Deutschland schwappte (Teil1)"

 

Text von Reto Stuber
Foto von jc.westbrook (www.flickr.com)

 

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