Die Lauscherlounge veröffentlicht einen neuen Hörspiel-Thriller. "Pavor" heißt das Werk, welches ab Freitag, 26. November 2010 im Handel erhältlich ist. Die Geschichte wurde von der Lauscherlounge bereits im Oktober als Livehörspiel präsentiert. Nun kommt das Hörspiel mit der Gruselgarantie von Autor Florian Bald als CD heraus.
Über die Handlung:
Pavor ist nicht nur das lateinische Wort für Angst, es wird auch in der Psychiatrie für jene kindliche Art von Albträumen verwendet, aus denen man schweißgebadet und mit rasendem Puls aufwacht. Und rein zufällig heißt so das ukrainische Dorf, in dem unser Protagonist eine verdammt lange Nacht verbringt. Alexander besucht sein Heimatdorf um dem Begräbnis von Onkel Iwan beizuwohnen. Die Nacht vor dem Begräbnis muss Alexander in Onkel Iwans etwas abseits gelegener Hütte verbringen. Ein folgenschwerer Fehler. Ihm steht eine Nacht bevor, in der alte Erinnerungen wachgerufen werden und ein paar neue Erinnerungen hinzukommen, auf die Alexander lieber verzichtet hätte.
Über den Autor:
Florian Bald wurde 1975 in München geboren. Seit 2000 lebt er als Autor und Musiker in Berlin. Mit seiner Band „Mathilda“ veröffentlichte er im vergangenen Jahr das dritte Album („Chansonpop“). Als Autor erschien von ihm zuletzt eine Sammlung von Erzählungen unter dem Titel „Eva, Belmondo & ich“ als Hörbuch. Derzeit arbeitet er an einem Roman.
Der Autor über "Pavor":
Ich muss in der ersten Klasse gewesen sein, als eine besorgte Lehrerin meinen Eltern eröffnete, dass ihr einziger Sohn leider zu viel Fantasie habe. Meine Eltern machten ein betretenes Gesicht und versprachen, baldmöglichst etwas dagegen zu unternehmen. Erst einmal aber fuhren sie schnell nach Hause, weil sie wussten, dass dort der Teufel los wäre, wenn ich nicht pünktlich mein Gute-Nacht-Märchen erzählt bekäme. So jedenfalls wurde es mir berichtet.
Kein Märchen ist, dass ich schon sehr früh süchtig war nach Geschichten; und wie jedem echten Süchtigen kam es mir auf die Darreichungsform der Droge nicht an. Ich führte mir den Stoff in erzählter Form zu, vorgelesen, vorgesungen oder von Langspielplatten bzw. Musikkassetten vorgespielt; wobei ich hier von jener Zeit rede, in der wir noch keinen Farbfernseher besaßen. Vom Kauf dieses Gerätes an nämlich waren selbst meinen Tagträume in Technicolor. Apropos „Technicolor“: Ich erinnere mich an einen Abend, der Rest meiner Familie war außer Haus, als ich aus heiterem Himmel Fieber bekam. Wie es Kindern eben manchmal passiert. Für mich war das ein riesiger Glücksfall. Nie wieder habe ich den Film vom „Zauberer von Oz“ eindringlicher erlebt als im Delirium; ich muss selbst dann noch im Zauberland gewesen sein, als Dorothy schon lange wieder zuhause war. Und meine Familie auch. Ein andermal, meine Achteklasse-Sommerferien hatten gerade begonnen, konnte ich es kaum erwarten, das erste selbstgeliehene Video meines Lebens in den Rekorder zu schieben: „Geschichten des Schreckens“ nach Erzählungen von Edgar Allen Poe. Für Menschen meines Alters natürlich absolut verboten, aber die Videothekarin mochte mich. Meine Mutter durfte von alldem nichts mitbekommen; um es kurz zu machen: sie hat es schließlich doch, weil ich es mit dem Film in der Tasche zu eilig hatte (wie gesagt, ich war süchtig), in einer Kurve fürchterlich vom Fahrrad stürzte, und sie wenig später neben mir und der Videokassette im Krankenwagen saß. Zum Glück war mein Arm gebrochen, sonst hätte ich vermutlich
Ärger bekommen. Inzwischen habe ich „Geschichten des Schreckens“ mehrmals gesehen und kann sagen, sie waren den Sturz wert.
Mein Studium schließlich habe ich dadurch finanziert, dass ich Abend für Abend an einer übel beleumundeten Ecke stand und gegen Geld anderen Süchtigen Geschichten erzählte, die ich zuvor einem polnischen Gemüsehändler abgelauscht hatte. Als der Pole, ein ziemlich kräftiger Bursche mit blühender Einbildungskraft, mir irgendwann dahinter kam, war ich bereits mit der Uni fertig und über alle Berge. Allerdings musste ich mir nun einen richtigen Job suchen. Mein Professor hatte mir davon abgeraten, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, weil ich dazu neigte, meine wissenschaftlichen Arbeiten mit Selbsterfundenem zu würzen, wenn mir der Stoff zu trocken war.
In Fachkreisen wurde das als Unsachlichkeit und mangelnde Faktentreue missverstanden. Mir blieb also nichts anderes übrig, als samt meiner überschüssigen Fantasie die Branche zu wechseln und meine unglückliche Veranlagung zum Beruf zu machen: Ich wurde Autor.
Warum ich das alles erzähle? Nun ja, weil das Hörspiel „Pavor“, das in diesem Moment frischgepresst und ordentlich verschweißt vor Ihnen liegt, nichts Geringeres ist als die Quintessenz meiner kleinen Geschichte. Sollten Sie nämlich genau hinhören, werden Sie all das, wovon ich gerade berichtet habe, darin wiederfinden: Zu viel Fantasie, jede Menge Technicolor und Delirium, den Schrecken der Geschichten von Edgar Allen Poe, einen guten Schuss osteuropäische Wehmut und (an manchen Stellen) sogar eine Prise Faktentreue. Mit großem Autorenstolz jedenfalls würde es mich erfüllen, wenn irgendwann ein eiliger Achtklässler zu Beginn seiner Sommerferien mit meinem Hörspiel in der Tasche aufs Fahrrad stiege und ...
Die Sprecher:
Oliver Rohrbeck - Erzähler und Alexander
Margit Bendokat - Alexanders Mutter
Jürgen Thormann - Onkel Iwan
Tanja Fornaro - Maria
Reinhard Scheunemann - Mann im Flugzeug
Andreas Mannkopff - Onkel Andrej
Karin David - Großtante Sonja
Vera Teltz - Frau im Flugzeug
Gisela Fritsch - Tante Luna
Simon Jäger - Leonid
Cedric Eich - Alexander als Kind
Sebastian Fitzner - Leonid als Kind, Stimme 2
Moritz Russ - Nikolaj als Kind, Stimme 2
Charles Rettinghaus - Vitali











