Eigentlich sonderbar, dass alle gelöst schienen, obwohl ein Mord zu beklagen war und der Täter noch nicht gefasst. Oder war es eine Täterin? Aber was war das Motiv? Beschaffungskriminalität nahmen viele an, dabei hatte es selten Drogensüchtige in der Gegend gegeben, und der Toten war nichts gestohlen worden – nur ihre Pantoletten fehlten, diese außergewöhnlichen Pantoletten von Prada … (Cover)
Rezension:
Der dritte Hamburg-Krimi trägt den nichts verratenden Titel „Der Tod in Harvestehude“. Im chicen Villenviertel gehen seltsame Dinge vor sich. Eine alternde Dame, die für den Hörer über die gesamte Spielzeit immer nur A.S. bleibt, zieht in den Keller einer wohlhabenden Dame ein. Diese tut das zwar freiwillig, jedoch ist ein ziemliches Missfallen spürbar. Während die Dame sich mit ihren Freundinnen zum Kaffeeklatsch im Garten trifft, sitzt A.S. in ihrem Keller und beobachtet die Szenerie. Mehr erfährt der Hörer zunächst nicht. Derweilen spielt sich gegenüber auf der anderen Straßenseite ein Drama ganz anderer Art ab. Denn dort kämpft ein älterer Mann mit dem Verlust seiner jungen Geliebten. Die hat ihn unsanft abserviert und hat bereits einen neuen Freund. Wie und ob diese Geschichten zusammenhängen entpuppt sich erst nach und nach. Und dann gibt es ja noch einen Mord …
Um ehrlich zu sein: Ich hatte ziemliche Schwierigkeiten, mich in die Handlung hineinzufinden. Doch nach und nach fand ich mich dann doch in dieser sehr seltsamen und schwermütigen Geschichte der Autorin Carmen Korn wider. Die zwei verschiedenen Handlungsstränge werden von unterschiedlichen Sprechern gelesen. Während die Sicht von A.S. von Marlen Diekhoff gelesen wird, spricht Douglas Welbat den Nachbarn von gegenüber. Zum Ende hin gesellt sich noch ein dritter Erzähler dazu, dessen Part Christian Stark übernimmt. Alle drei Sprecher sind routinierte Leser mit angenehmen Erzählstimmen und waren teilweise bereits in den zwei Vorgängerproduktionen zu hören. Trotzdem konnte mich ihre Performance nicht vom Hocker hauen. Solide Arbeit, doch mehr auch nicht.
Obwohl der Aufbau der Geschichte durchaus spannend ist (schließlich durchdringt man als Hörer erst nach und nach die Beweggründe aller Beteiligten), fehlt der inszenierten Lesung der nötige Reißer. Die Produktion schafft es nicht, den Hörer regelrecht zu fesseln und zu überraschen. Dies wird von der ruhigen und gemächlichen Musikstücken nur noch verstärkt. Auch zieht der fehlende Gesprächsfluss die Geschichte ziemlich herunter. Denn wie bereits bei „Todesfalle Speicherstadt“ und „Fegefeuer am Grindel“ handelt es sich auch bei „Der Tod in Harvestehude“ nicht um ein Hörspiel, sondern um eine Lesung. Doch gerade manche Stellen und Dialoge wären für eine Hörspielumsetzung ideal gewesen, gehen so aber leider in den rauen Textmengen unter. Da nützen auch die geteilten Leserolle nichts.
Das große Manko an dieser Produktion ist die Handlung. Ein Verwirrspiel aus undurchsichtigen Personen und gebeutelten Seelen. Die Ernsthaftigkeit der Geschichte ermüdet zu schnell. Ein Krimi der extraklasse sieht anders aus. Und so ist der dritte Teil der „Hamburg Krimis“ die bislang schwächste Produktion der Serie. Da kann auch das mitgelieferte Brettspiel nicht trösten.

Eigentlich sonderbar, dass alle gelöst schienen, obwohl ein Mord zu beklagen war und der Täter noch nicht gefasst. Oder war es eine Täterin? Aber was war das Motiv? Beschaffungskriminalität nahmen viele an, dabei hatte es selten Drogensüchtige in der Gegend gegeben, und der Toten war nichts gestohlen worden – nur ihre Pantoletten fehlten, diese außergewöhnlichen Pantoletten von Prada … (Cover)










