Amerika um 1890: Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefährlichen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihren Mann Saul Rutledge, hat man seit längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen ...? (Cover)
Rezension:
Das schöne an der „Gruselkabinett“-Reihe ist deren Vielfalt. Nach dem Poe-Klassiker folgt nun ein eher unbekanntes Werk der amerikanischen Autorin Edith Wharton. Wer ihren Namen noch nicht gehört hat, kennt vielleicht den wunderbaren Liebesfilm „Zeit der Unschuld“ mit Michelle Pfeiffer und Daniel Day-Lewis in den Hauptrollen.
In „Verhext“ (Originaltitel „Bewitched“) erzählt Edith Wharton eine schaurig schöne Geschichte Ende des 19. Jahrhunderts. Die Nachbarn Orrin Bosworth, Diakon Hibben sowie Sylvester Brand werden eines Winternachmittags zum Landgut des Ehepaars Rutledge gerufen. Die Hausherrin Prudence Rutledge weiß nicht mehr weiter und bittet die Männer um Hilfe. Denn ihr Mann Saul Rutledge ist binnen kürzester Zeit körperlich zu einem alten Mann vergreist und ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Nachbarn sind entsetzt, als sie die Geschichte hören, die die resolute Ehefrau ihnen daraufhin erzählt. Denn diese schwört Stein und Bein, dass ihr Ehemann von einer Toten heimgesucht wird, die ihm das Blut aussaugt …
Das Hörspiel beginnt vielversprechend. Gemeinsam mit den Protagonisten begibt man sich als Hörer auf das verschneite Anwesen der Familie Rutledge und wird Zeuge dieser unglaublichen Geschichte. Das Besondere dabei ist die beklemmende und fast unerträgliche Spannung, die das Hörspiel erzeugt. Diese geht vor allem von Sprecherin Susanne Uhlen aus, die in der Rolle der Hausherrin eine wirklich atemberaubende schauspielerische Leistung bietet. Die erste Szene ähnelt hierbei einem Kammerspiel und schafft eine sehr angespannte Atmosphäre. Nach und nach kommen mehr Fakten um den gesundheitlichen Zustand von Mr. Rutledge ans Tageslicht und bringen vor allem Sylvester Brand in Rage. Ab diesem Zeitpunkt spitzt sich die Stimmung nur noch mehr zu und das Unheil nimmt seinen Lauf und es stellt sich die Frage, ob es Vampire wirklich gibt.
Wie oben bereits vorweggenommen, glänzt vor allem Susanne Uhlen in ihrer Rolle als herrische und zänkische Hausherrin. Sie liefert eine wirklich tolle Show. Ihr Ehemann wird von Ernst Meincke gesprochen. Meincke gelingt es, den Zerfall und körperliche Schwäche wunderbar mit seiner Stimme umzusetzen. Frank Schaff, der den jungen und sympathischen jungen Mann Orrin Bosworth spricht, ist Protagonist dieser Geschichte und Erzähler zugleich. Aus seiner Sicht werden die merkwürdigen Ereignisse geschildert. Ihm zur Seite stehen Diakon Hibben, der von Jochen Schröder gesprochen wird und Uli Krohm als hitzköpfiger Sylvester Brand. Krohm liefert hier eine wirklich starke Darbietung, die ihm alles abverlangt. Wirklich große Klasse! Sprecher wie Dagmar von Kurmin, die einen kurzen aber beeindruckenden Auftritt hat, komplettiert die Sprecherliste genauso wie Reinhilt Schneider, Alexander Turrek, Annina Braunmiller und viele mehr.
Natürlich gibt es in diesem Hörspiel wieder jede Menge schaurige Musikklänge, die das Gehörte erst so richtig schaurig werden lassen. Und die zahlreichen Geräusche wie knirschender Schnee oder das Rauschen kalten Windes machen das Hörspiel lebendig. Auch die eingebauten Rückblicke in die Vergangenheit von Bosworth und Rutledge sind gut umgesetzt, so dass zu keiner Zeit irgendwelche Verwirrungen aufkommen können. Hier haben Stephan Bosenius und Marc Gruppe wirklich gute Arbeit geleistet.
„Verhext“ ist wie geschaffen für die Hörspielreihe und kann vor allem durch die geniale Umsetzung und, die großartigen Sprecher und das ungewöhnliche Ende der Geschichte punkten. Hier ist dem Label meiner Meinung nach, wieder ein ganz großer Wurf gelungen. Und dieses Hörspiel zählt schon jetzt zu meinen persönlichen Favoriten dieser Hörspielreihe. Unbedingt reinhören!

Amerika um 1890: Das ländliche New England liegt tief verschneit. Prudence Rutledge bittet einige ihrer Nachbarn trotz des gefährlichen Wetters zu sich in ihr Farmhaus. Weder sie, noch ihren Mann Saul Rutledge, hat man seit längerem in Hemlock County gesehen. Was kann die als eigenbrötlerisch bekannte Frau bloß von ihren Nachbarn wollen ...? (Cover)










