Oscar Wildes berühmte Geschichte über die amerikanische Familie Otis, die in dem von ihnen erworbenen englischen Schloss Canterville die Bekanntschaft eines Gespenstes macht, in einer Star-gespickten brandneuen Hörspiel-Version, die gruselige Akzente zu setzen weiß. (Cover)
Rezension:
Wer hätte gedacht, dass es einmal 50 Folgen der „Gruselkabinett“-Reihe zu kaufen geben wird. Als Jubiläumsfolge hat sich das Erfolgsduo Marc Gruppe und Stephan Bosenius einen alten Klassiker von Oscar Wilde ausgesucht. „Das Gespenst von Canterville“ hat nun die Ehre, in diesem Jubiläumshörspiel zu spuken. Das Leben des Cantervillegespenstes ändert sich schlagartig, als die Diplomatenfamilie Otis den englischen Landsitz bezieht, indem der Titelheld schon seit Jahrhunderten sein Unwesen treibt. Denn die Großfamilie glaubt nicht an Gespenster und auch die Kinder haben keine Angst vor dem alten Gemäuer. Das Gespenst von Lord Canterville ist schier am Verzweifeln und stürzt in eine tiefe Lebenskrise. Schließlich ist es nicht gewohnt, dass sich niemand vor ihm zu fürchten scheint.
Bei dieser Geschichte handelt es sich nicht um ein klassisches Gruselhörspiel – leider! Oscar Wildes „Das Gespenst von Canterville“ ist zwar eine wunderbare Geschichte, doch für die 50. Folge der Gruselreihe hätte ich mir doch ein spannenderes und blutigeres Hörspiel gewünscht. Diese Geschichte hätte ich eher in die Reihe „Titania Spezial“ gesteckt. Trotzdem muss ich sagen, dass die Umsetzung wieder sehr gut gelungen ist. Die Mischung aus humorvollen Dialogen seitens der Familie Otis und den verzweifelten Gruselversuchen seitens des untoten Lords sind perfekt gelungen und zaubern ein Lächeln auf die Lippen. Zumal das Gespenst eigentlich nie besonders böse klingt, sondern eher lustig, so dass ich es während der Dauer des Hörens immer mehr ins Herz geschlossen habe.
Die Sprecher gefallen mir außerordentlich gut. Vor allem Sohn Washington, gesprochen von Jan Panczak, mit seiner etwas steifen und förmlichen Art spricht wunderbar. Ihm und auch den anderen Familienmitgliedern nimmt man die amerikanische Herkunft ab. Dabei kann man darüber hinwegsehen, dass Boris Tessmann als Vater Otis vielleicht etwas zu jung klingt für seine Rolle als Familienoberhaupt. Seine Frau Lucretia (Gudrun Landgrebe) klingt da schon eher wie eine Mutter. Die Rolle des nicht ernst genommenen Geistes spricht Friedrich Georg Beckhaus. Seine Klagelaute und das jammervolle Geheule klingen allerdings wenig gruselig, sondern vielmehr belustigend – machen aber trotzdem Spaß zuzuhören. Etwas nervig sind dagegen die Zwillinge Jimmy und Timmy Otis. Das unzertrennliche Duo ist eine nette Idee, geht aber sehr schnell auf die Nerven. Das liegt weniger an den Sprechern (Mathis Färber und Alexander Mager), als vielmehr an der besserwisserischen Art der zwei Jungdarsteller und die Angewohnheit, alles im Gleichklang mit Echoeffekt zu sagen. Das ist für meinen Geschmack etwas zu viel des Guten. Insgesamt betrachtet, ist in dieser 50. Folge wieder eine sehr starke Sprechertruppe zu hören und die Mischung aus bekannten und weniger bekannten Stimmen geht auf.
Die Spielzeit von knapp 1 ¼ Stunden geht wie im Flug vorbei. Am Schluss wird natürlich alles gut und es gibt ein Happy End. Auch dieser Zustand passt nicht wirklich in die Reihe des „Gruselkabinetts“, aber naja! „Das Gespenst von Canterville“ ist nicht die Jubiläumsfolge, die ich mir gewünscht habe. Durch die vielen fabelhaften Stimmen und die humorvolle Handlung, habe ich mich aber überzeugen lassen und mich gut unterhalten gefühlt.

Oscar Wildes berühmte Geschichte über die amerikanische Familie Otis, die in dem von ihnen erworbenen englischen Schloss Canterville die Bekanntschaft eines Gespenstes macht, in einer Star-gespickten brandneuen Hörspiel-Version, die gruselige Akzente zu setzen weiß. (Cover)










