Etwas geht um auf Londons Straßen. Etwas, dass das flackernde Licht der Gaslaternen nicht erhellen kann. Die Spur führt in die Vergangenheit; zu Ereignissen, die Paul Lessingham lieber vergessen wollte … (Cover-Text)
Rezension:
Die neue Hörspielserie mit dem treffenden Namen „Nachtmahr“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Hörer einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen. Mit Gruselklassikern aus vergangener Zeit von Schriftstellern wie beispielsweise H. P. Lovecraft, will das junge Hörbuchlabel „Wolpertinger Hörbücher“ die Hörer für sich gewinnen. Den Anfang der neuen Reihe macht „Der Skarabäus“ von Richard Marsh. Dessen Roman mit dem englischen Originaltitel „The Beetle“ erschien im selben Jahr wie Bram Stokers „Dracula“ und war sogar weitaus erfolgreicher als der berühmte Vampirroman.
„Der Skarabäus“ macht also den Anfang. Und da aller Anfang bekanntlich schwer ist, vor allem für eine neue Hörspielserie am Markt. Noch dazu von einem (noch) unbekannten Label. Da ist der erste Eindruck enorm wichtig. Und ich kann sagen: Ich war beim Hören der Auftaktfolge begeistert und restlos angetan. Die Geschichte ist schön schaurig und gruselig und wie geschaffen für eine Vertonung als Hörspiel. Dazu kommt, dass die Umsetzung des Stoffes als Hörspiel absolut gelungen ist. Sydney Atherton wird von der schönen Marjore Lindon um Hilfe gebeten. Sie macht sich Sorgen um ihren Verloten und Athertons Freund, Paul Lessingham, der ein düsteres Geheimnis zu haben scheint. Sydney Atherton will das Rätsel lösen und trifft dabei auf eine sonderbare, ausländische Frau, die alles über ihn zu wissen scheint. Als dann noch ein entkräfteter Obdachloser auftaucht, der sich an nichts mehr erinnern kann, führt die Spur in ein verlassenes, baufälliges Haus … Von Anfang an ist die Handlung fesselnd erzählt, was zur Folge hat, dass die Spielzeit wie im Flug vergeht.
Was mir an dieser Produktion besonders gut gefällt, ist die schlichte Erzählweise. Mit wenig „Aufwand“ wird hier eine düstere, kühle Atmosphäre gezaubert, die der Handlung nur gerecht wird. Die Geräusche sind immer auf dem Punkt und runden das Gehörte wunderbar ab. Auch wenn ich sehr angetan bin vom vorliegenden Hörspiel, so hätte ich mir ein wenig mehr Musikpassagen gewünscht. Die dunklen, schweren Musikstücke von Tobias Schröter sind wirklich klasse und passen hervorragend zur Handlung. Warum nicht mehr davon? Wenn es zwischen den Kapiteln ein wenig mehr zu hören gäbe, hätte ich überhaupt nichts zu bemängeln. Dafür gibt es als kleinen Bonus am Ende der CD einen genialen Song von „Electric Funeral“, der thematisch gut zum Hörspiel passt.
Wolpertinger Hörbücher haben auch bei der Besetzung der Rollen alles richtig gemacht. Starke Stimmen sind hier zu hören, die man teils noch nie oder schon lange nicht mehr in einem Hörspiel zu hören waren. Das ergibt eine sehr gute Mischung, die sich hören lassen kann. Da wäre zum einen Franziska Pigulla, allen bestens bekannt als die Stimme der Dana Scully in „Akte X“. Sie spricht die Hohepriesterin – und zwar so phantastisch und mit solcher bösartigen Leidenschaft, dass man wie gebannt ihrer starken Stimme lauscht. Selten habe ich Franziska Pigulla so in einem Hörspiel gehört. Mit Erzählstimme Hans Peter Hallwachs, Anna Carlsson, Karin Buchholz und Bernd Rumpf sind noch weitere, erfahrene Hörspielstimmen zu hören. Bei Wolfram Koch, Robert Löhr, Shai Hoffmann und Rafael Banasik dagegen ist bisher keine (oder sehr wenig) Hörspielerfahrung gegeben. Da liegt es nahe, diesen Sprechern kleine Sprechrollen zu geben, was hier auch gemacht wurde. Doch eins muss man sagen: Alle Sprecher, die in „Der Skarabäus“ zu hören sind, machen eine sehr guten Eindruck, genau wie die gesamte Hörspielfolge.
Und als ob das alles nicht schon Lob genug für die neue Hörspielreihe wäre, muss ich an dieser Stelle auch noch ein Lob für das Booklet aussprechen. Da wird neben den üblichen Informationen nämlich gleich noch ein auffaltbarer Stadtplan des damaligen Londons mitgeliefert. Dieser ist nicht nur hübsch gestaltet, sondern auch überaus nützlich.
Mit „Nachtmahr“ zeigt Wolpertinger Hörbücher, dass Hörspiele ihre Stärke sind. Mit dieser Gruselreihe hat das Label einen überaus geglückten Start hingelegt und gezeigt, dass sich die Konkurrenz in der Gruselsparte in Zukunft warm anziehen muss.

Etwas geht um auf Londons Straßen. Etwas, dass das flackernde Licht der Gaslaternen nicht erhellen kann. Die Spur führt in die Vergangenheit; zu Ereignissen, die Paul Lessingham lieber vergessen wollte … (Cover-Text)










