Wer bringt ein kleines Mädchen um und bahrt es auf dem Opferaltar einer Ausgrabungsstätte auf? Jede Spur, die die beiden jungen Dubliner Ermittler Rob und Cassie verfolgen, führt sie nur tiefer in ein Dickicht, in dem sich alle Gewissheiten in ihr Gegenteil verkehren. Und keiner darf erfahren, dass Rob vor vielen Jahren selbst etwas Furchtbares erlebt hat – im Wald bei ebenjener Ausgrabungsstätte ... (Cover)
Rezension:
Polizist Robert trägt ein lang gehütetes Geheimnis mit sich herum. In seiner Kindheit verschwanden er und andere Kinder spurlos. Nur Robert wurde Stunden später blutend, völlig verstört und ohne Gedächtnis im Wald aufgefunden. Seine Freunde blieben verschollen. Was an diesem Tag genau geschehen ist, wurde nie geklärt. Als 20 Jahre später in eben diesem Wald ein kleines Mädchen ermordet aufgefunden wird, kommen die Erinnerungen zurück. Und je weiter Robert und seine Kollegin Cassie mit den Ermittlungen nach dem Täter voran kommen, desto mehr kommen auch Einzelheiten von damals ans Licht.
Der spannende Krimi „Grabesgrün“, Erstlingswerk der irischen Schriftstellerin Tana French, hat bereits viele Buchfans begeistert. Nach der Hörbuchlesung ist die mysteriöse Geschichte nun auch vom WDR als Hörspiel vertont worden. Und wer schon einige Hörspielproduktionen des Rundfunksenders gehört hat, weiß, dass großes Kopfkino zu erwarten ist. Die Erzählweise aus Sicht der Hauptfigur Robert, der auch die Rolle des Erzählers übernimmt, verschafft einen klaren Blick über alle Ereignisse. So ist der Hörer stets auf demselben Stand wie das ungleiche Ermittlerduo und kann der Geschichte stets leicht folgen. Ich hebe gerade das als großen Pluspunkt hervor, weil es viele andere Radioproduktionen gibt, denen genau diese klare Linie fehlt. Hörspielszenen werden immer wieder vom Erzähler unterbrochen, ergänzen Fakten oder fassen wichtige Details zusammen. Dieser Erzählstil ist wunderbar gelungen und lockert die Handlung ungemein auf. Dennoch schwingt über die ganze Spiellänge etwas Bedrohliches und Unausgesprochenes mit, was bei mir noch mehr Spannung aufkommen lies. Dieses Unbehaben wird durch die finstere Musik nur noch verstärkt. Hier wurde das Hörspiel nicht mit klassischen Musikstücken unterlegt. Vielmehr sind einzelne, lang gezogene Töne zu hören, die richtig unter die Haut gehen. Gefällt mir sehr gut, weil sich der Fokus dadurch mehr auf die Handlung legt.
Die dargestellten Personen in Tana Frenchs Roman wirken auf mich sehr modern und unglaublich engagiert und motiviert. Da Cassie und Robert auch privat eng befreundet sind, ist auch der Umgang zwischen ihnen sehr kameradschaftlich und locker. Fast kann man nicht glauben, dass die beiden nur Freunde sind, doch anscheinend ist eine platonische Freundschaft zwischen Männern und Frauen doch möglich – zumindest zu Beginn ihrer beruflichen Zusammenarbeit. Doch dann landen die beiden doch in der Kiste, was die Freundschaft nicht einfacher macht. Überhaupt ist die Beziehung zwischen den beiden in manchen Situationen fast kindlich naiv, auch wenn hin und wieder doch Eifersucht aufflammt. Dabei wirken die Figuren nie platt; trägt doch jede von ihnen ihre eigenen Geheimnisse und die Vergangenheit mit sich herum. Diese ganz speziellen Zwischentöne zwischen Cassie und Robert fangen die Sprecher Luise Helm und Benjamin Sadler wunderbar ein. Das kann man auch vom Rest des Casts sagen. Tolle Stimmen und kluge Dialoge hinterlassen ein hörenswertes Hörspiel.
Das Hörspiel weiß über zwei CDs die Spannung zu halten und hat mich überzeugt. Vorallem die Aufklärung des Falls um das getötete Mädchen lässt dann doch staunen. Traurig ist nur, dass Roberts eigenes Kindheitstrauma dabei in den Hintergrund gerät. Hier hätte ich mir doch einiges mehr erhofft. Nichts desto trotz ist "Grabesgrün" vor allem durch seine dunkle und kalte Machart hörenswert. Ein guter Thriller mit starkem Inhalt.

Wer bringt ein kleines Mädchen um und bahrt es auf dem Opferaltar einer Ausgrabungsstätte auf? Jede Spur, die die beiden jungen Dubliner Ermittler Rob und Cassie verfolgen, führt sie nur tiefer in ein Dickicht, in dem sich alle Gewissheiten in ihr Gegenteil verkehren. Und keiner darf erfahren, dass Rob vor vielen Jahren selbst etwas Furchtbares erlebt hat – im Wald bei ebenjener Ausgrabungsstätte ... (Cover)










