Karl Mays bekannteste Abenteuergeschichte über die Blutsbrüderschaft Old Shatterhands mit dem edlen Apachenhäuptling Winnetou. Der Klassiker in einer opulenten Hörspiel-Neuinszenierung für Junge und Erwachsene. (Cover)
Rezension:
Unzählige Male verfilmt, unzählige Male gelesen, unzählige Male vertont. Und doch sind die Geschichten von Karl May über den Apachenhäuptling Winnetou und dem Bleichgesicht Old Shatterhand immer noch beliebt wie eh und je. Nächstes Jahr jährt sich der Todestag des deutschen Autors zum 100. Mal. Dieses Jubiläum ist Grund genug, den alten „Winnetou“-Geschichten neuen Glanz zu verleihen. Die letzte Hörspielvertonung liegt gut 50 Jahre zurück und seitdem scheint sich niemand für den Stoff interessiert zu haben. Bis jetzt. Regine Ahrem hat für Radio Bremen und den Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) die Abenteuer um die Blutsbrüder Winnetou und Old Shatterhand neu vertont und ein wunderbares Hörspiel arrangiert. Der Wilde Westen lebt.
In „Winnetou I“ beginnt eine große Freundschaft, die noch viele Abenteuer und Gefahren mit sich bringen wird. Den Erzähler verschlägt es in das neue, ferne Land Amerika. Dort lernt er Sam Hawkens kennen, der dem Greenhorn viel über das Leben im Wilden Westen beibringt. Dazu gehört Reiten, die Bärenjagd, das Schießen und vieles mehr. Der Ich-Erzähler ist begabt und lernt schnell und ist dazu noch bärenstark, was ihm bald den Beinamen Old Shatterhand einbringt. Natürlich bleibt auch der Kontakt zu den Indianern nicht aus. Die Eisenbahnlinie soll quer durch Indianerland gebaut werden, was zwangsläufig erbitterte Kämpfe zwischen Rot- und Bleichgesichtern nach sich zieht. Dabei lernt Old Shatterhand den Apachenhäuptling und auch dessen Sohn Winnetou kennen und ist von den Indianern regelrecht fasziniert. Etlichen Zwischenfälle, Kämpfe bringen am Ende nicht nur der Tod geliebter Menschen mit sich, sondern auch eine wunderbare Männerfreundschaft hervor, die der Stoff für viele weiter Bücher sein wird.
Die Umsetzung in Spielfilmlänge fällt klassisch aus und orientiert sich dicht an der Buchvorlage. Das tut dem Hörspiel gut, klangliche Experimente hätten ohnehin nicht zum Wild-West-Stoff gepasst und eingefleischte Karl-May-Fans wären wohl zu Recht auf die Barrikaden gegangen. Nein, an diesem Hörspiel passt alles wunderbar ineinander, die Szenerie, die Inszenierung und die Sprecher. Dabei halten sich alle Elemente die Waage und weder Effekte noch Sprecher drängeln sich in den Vordergrund. Einzig die Musik weiß zu dominieren - und das zu recht. Denn für diese „Winnetou“-Vertonung wurde nicht auf die Original-Melodie der Kinofilme verzichtet. Wunderschön und pompös ertönt das eingängige Titelthema des deutschen Filmkomponisten Martin Böttcher aus den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Auch nach all den Jahren, geht diese Komposition noch mitten ins Ohr. Dass hierfür die Originalmusik verwendet wurde, ist eine wunderbare Begleiterscheinung und macht das Hörspiel nur noch hörenswerter.
Wie bereits oben erwähnt, lassen auch die Stimmen der Hörspielsprecher den alten Wilden Westen aufleben. Als Erzähler dieser Geschichte ist die reife Stimme von Reiner Schöne zu hören. Den eigentlichen Old Shatterhand jedoch spricht der wesentlich jüngere Konstantin Graudus. Er gibt seiner Figur die nötige Portion Humor und die Einstellung „Mir kann keiner was“ mit auf dem Weg. Das kommt gut an, steckt in der Karl-May-Vorlage doch auch jede Menge Ironie, zu der auch die Rolle des Sam Hawkens, gesprochen von Wolfgang Völz, einen großen Teil beiträgt. Wesentlich weniger Humor verstehen die Indianer, allen voran Winnetou (Max Hopp) und sein Vater Intschu-tschuna (Joachim Bliese). Die beiden Apachen sind sehr würdevoll und stolz, was man ihnen auch anhört. Natürlich darf auch Winnetous Schwester, Nscho-tschi, nicht fehlen. Die einzige weibliche Rolle in diesem Abenteuer hat sich Effi Rabsilber gesichert. Alles in allem stehen hier sehr gute Sprecher hinter den Mikrofonen, an denen ich nichts zu meckern habe.
Wer eine wirklich gelungene Version des Weltklassikers hören möchte, kann bei dieser Produktion, erschienen im Hörverlag, besten Gewissens zuschlagen. Kurzweilige Unterhaltung, untermalt mit wunderschönen musikalischen Klängen, lassen den Wilden Westen wiederauferstehen. Und nicht nur das. Neben dem Kampf Gut gegen Böse ist „Winnetou“ auch eine Geschichte, die wachrütteln will und aufzeigt, dass es lohnt sich, über die eigenen kulturellen Grenzen hinauszuschauen und offen für Neues zu sein.

Karl Mays bekannteste Abenteuergeschichte über die Blutsbrüderschaft Old Shatterhands mit dem edlen Apachenhäuptling Winnetou. Der Klassiker in einer opulenten Hörspiel-Neuinszenierung für Junge und Erwachsene. (Cover)










