Die junge Lady Chatterley lebt mit ihrem Mann, dem querschnittsgelähmten Kriegsheimkehrer Clifford, in einem abgeschiedenen Herrenhaus. Sie selbst will sich nicht eingestehen, dass die Eintönigkeit des ländlichen Milieus ihr fast den Lebensmut geraubt hat. Doch dann weckt der einfache Wildhüter Oliver Parkin eine nie gelebte Sehnsucht in ihr. Constance, zunächst völlig ergriffen von der Faszination sexueller Handlungen, verleitet Oliver zu immer intimeren Praktiken, stellt dann nach einer Urlaubstrennung fest, dass sich zu dem verschlossenen Wildhüter eine echte Liebe entwickelt hat. (Cover)
Rezension:
Der erotische Roman „Lady Chatterley’s Lover“ aus dem Jahr 1928 war seinerzeit ein echter Skandal. Und vielleicht gerade deshalb gehört das Buch des britischen Autoren D. H. Lawrence zu den wohl bekanntesten seiner Zeit. In zahlreichen Ländern wurde das Buch aufgrund seiner detailliert beschriebenen sexuellen Handlungen sogar verboten. Bis heute wurde das Buch millionenfach verkauft und vielfach verfilmt.
Doch auch als Hörspielumsetzung ist der brisante Stoff bestens geeignet wie Hörspielregisseurin Claudia Johanna Leist mit vorliegender Produktion beweist. In Spielfilmlänge wird hier die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die in ihrer Ehe gefangen ist und erst durch den Wildhüter Parkin erlebt, was sexuelle Leidenschaft bedeutet. Dabei ist „Lady Chatterley’s Lover“ viel mehr als nur eine Geschichte über Sex. Es geht vielmehr um die Erkenntnis, dass jeder Mensch Bedürfnisse hat und es auf Dauer nichts bringt, sich aus falscher Rücksichtnahme einzuschränken oder aufzuopfern. Auch finde ich es bewundernswert, dass der querschnittsgelähmte Sir Clifford seiner Frau quasi einen Freibrief gibt, ein Kind mit einem anderen Mann zu zeugen. Dazu gehört sehr viel Größe. Dass sich Constance bei ihrem außerehelichen Treiben jedoch ernsthaft verliebt, hätten beide Eheleute nicht gedacht. Und genau diese kleinen Zwischentöne machen den Roman so prickelnd und in gewisser Art und Weise spannend.
Die Vertonung eines erotischen Romans ist für einen Sprecher und alle anderen Beteiligten bestimmt nicht ganz einfach. Denn in „Lady Chatterley’s Lover“ kommen wirklich viele Sexszenen vor, die einen Großteil des Romans ausmachen und natürlich auch im Hörspiel nicht fehlen dürfen. Und da laut- und geräuschloser Sex in einem Hörspiel (wie auch im echten Leben) recht langweilig wäre, müssen die Sprecher alles geben. Dabei passiert es leicht, dass eine ernst gemeinte Sexszene ins Lächerliche abdriftet. In der vorliegenden Produktion jedoch geschieht das überhaupt nicht. Die Darbietungen aller Beteiligten sind wirklich beeindruckend und einfach genial. Die meiste „Arbeit“ haben natürlich die Hauptdarsteller Nora von Waldstätten als Lady Chatterley. Ihre innere Zerrissenheit spricht von Waldstätten wirklich einzigartig. Ich kaufe ihr ihre Rolle wirklich ab. Den weniger redseligen Wildhüter spricht Bernhard Schütz. Gemeinsam meistern sie die erotischen Passagen eindrucksvoll und voller Leidenschaft. Deutlich reservierter ist da Jens Harzer in seiner Rolle des herrischen Ehemanns. Eine grandiose Besetzung wie ich finde. Er spricht Lord Clifford so, dass man unwillkürlich eine Antipathie gegen diesen Mann aufbauen muss, obwohl doch er letztendlich der leidtragende aus dieser Dreiecksbeziehung ist. Auch die Rolle des Erzählers gefällt mir sehr gut. Sylvester Groth beschreibt nicht nur gekonnt die einzelnen Hörspielszenen, sondern auch das Innenleben der einzelnen Figuren.
Die Klang- und Geräuschkulisse ist dezent, aber immer präsent. So werden die einzelnen Sprechpassagen exzellent in das Hörspiel eingebettet. So entsteht ein eindrucksvolles, nüchternes und zugleich leidenschaftliches Hörspiel, welches vor Erotik nur so sprüht. Besser kann man „Lady Chatterley’s Lover“ nicht in ein Hörspiel verwandeln. Wunderbar.

Die junge Lady Chatterley lebt mit ihrem Mann, dem querschnittsgelähmten Kriegsheimkehrer Clifford, in einem abgeschiedenen Herrenhaus. Sie selbst will sich nicht eingestehen, dass die Eintönigkeit des ländlichen Milieus ihr fast den Lebensmut geraubt hat. Doch dann weckt der einfache Wildhüter Oliver Parkin eine nie gelebte Sehnsucht in ihr. Constance, zunächst völlig ergriffen von der Faszination sexueller Handlungen, verleitet Oliver zu immer intimeren Praktiken, stellt dann nach einer Urlaubstrennung fest, dass sich zu dem verschlossenen Wildhüter eine echte Liebe entwickelt hat. (Cover)










