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Hörbuch-Interview: Interview mit Kai Schwind Hot


Kai Schwind
hat einen großen Anteil an der gerade zu Ende gegangenen "Live and Ticking"-Jubiläumsshow der Drei ???. Er war in der Doppelrolle als Autor und Regisseur verantwortlich für das Drehbuch und die Show an sich. Wir hatten das Glück, dem wichtigen Mann hinter den Kulissen einige Fragen stellen zu können, die er bereitwillig beantwortet hat.



interview - kai schwind
Wenn man den Auftrag bekommt, die Live-Show für die erfolgreichste Hörspielserie auf die Beine zu stellen, wie geht man an solch ein Projekt ran?

Eigentlich erstmal nicht sonderlich anders, als bei anderen Projekten auch. Allerdings muss ich schon zugeben, dass ich es als große Ehre empfunden habe, für die Drei ??? eine Live-Show entwickeln zu dürfen. Die Zusammenarbeit zwischen Europa, den drei Sprechern und mir war von Anfang an sehr eng. Bevor überhaupt ein Wort geschrieben war, haben wir uns viel ausgetauscht darüber, wohin wir mit dieser Show wollen und was die besonderen Herausforderungen eines Live-Hörspiels in einer solchen Größenordnung sind. Insbesondere was die Hallengrößen anbelangt, war ich anfangs schon etwas skeptisch, ob man einer Geschichte, die sich doch weitestgehend „statisch“ als Hörspiel präsentiert, überhaupt noch folgen kann, oder ob sich das alles irgendwo ab Reihe 35 verliert. Das war ja dann letztendlich auch die besondere Herausforderung an die Inszenierung – es sollte „groß gedacht“ sein, ohne die Details und die feinen Zwischentöne kaputt zu machen.

 

Haben Sie selbst eine der alten Live-Shows gesehen oder selbst "Drei ???"-Hörspiele gehört?

Master of Chess habe ich leider erst auf DVD gesehen, allerdings war ich damals beim Super Papagei 2004 in der Color Line Arena dabei und habe wichtige Erfahrungswerte sammeln können. Die Geschichte war charmant präsentiert, allerdings nicht unbedingt auf die Hallengröße abgestimmt.

Die Hörspiele habe ich selbstverständlich gehört. Ich bin damit aufgewachsen und würde mich durchaus auch als „Kassettenkind“ bezeichnen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich mit neun Jahren die Folge „Der Zauberspiegel“ geschenkt bekam und mich die Geschichte und die Atmosphäre fasziniert haben. Ich fand das alles unglaublich gruselig, damals. Von den neueren Folgen finde ich immer die am Interessantesten bei denen etwas Neues ausprobiert wird, wie zum Beispiel „Der Nebelberg“. Auch die trashigeren Folgen wie „Mann ohne Kopf“ oder „Hexen-Handy“ haben durchaus ihren Reiz. 

 

Ich selbst hab die Show in Nürnberg gesehen. Ich hab mir immer die Frage gestellt, wie man auf so skurrile Ideen kommt. Da rutschen beispielsweise die Sprecher auf die Bühne, Justus befindet sich im Drogen-Rausch und Peter und Bob trällern ein schmalziges Karaoke-Duett.

Tja, die Frage nach den Ideen. Das lässt sich immer sehr schwer beantworten, weil man das nicht wirklich erklären kann „woher“ genau die Ideen kommen. Vielleicht kann ich an dieser Stelle aber mal verraten, dass die Idee mit der Karaoke-Einlage von Andreas und Jens selbst kam. Sie hatten einfach große Lust, diesen absurd-schrägen Schlager „Worte, nur Worte“ zu performen und meine Aufgabe war es dann, das Ganze irgendwie sinnvoll in die Show einzubinden. „Sinnvoll“ ist vielleicht das falsche Wort, aber dass sich die Sequenz mittlerweile zum Coming-Out von Peter und Bob gemausert hat, finde ich einfach herrlich. Das deutsche Original des Liedes von Dalida und Friedrich Schönfelder ist übrigens sehr empfehlenswert und die französische Version „Paroles Paroles“ gehört in Frankreich längst zum Nationalerbe.

Was die „skurrilen Ideen“ im Allgemeinen anbelangt, war uns von Anfang an klar, dass die Geschichte in einer Art Remake und mit wesentlich mehr Ironie als im Original erzählt werden sollte. Eine Live Show funktioniert nach anderen Gesetzen als die Hörspielserie und es geht in erster Linie darum, einen unterhaltsamen Abend zu gestalten. Vielleicht steht sogar das Spektakel etwas mehr im Mittelpunkt. Justus, Peter und Bob bleiben natürlich das emotionale Zentrum der Geschichte und sind die Identifikationsfiguren für das Publikum. 

 

Mich persönlich hat sehr gestört, dass vom ursprünglichen Fall eigentlich nichts mehr übrig war - außer dem schreienden Wecker selbst. Ich hatte den Eindruck, dass der Fall selbst eigentlich nebensächlich war und das Hauptaugenmerk auf der Show an sich lag. Für meinen Geschmack wäre weniger mehr gewesen ...

Interessant. Ich sehe das anders. Sehr viele Elemente aus dem Original-Hörspiel, sowie die eigentliche Struktur der Geschichte, finden auch in der Show statt. Zusätzlich haben wir noch Sequenzen aus der Buchvorlage übernommen, die im Hörspiel gekürzt sind (z.B. die Autoverfolgungsjagd) und die Hintergrund-Geschichten über die „Schrei um Mitternacht“ – Sprecher ausgebaut. Es war mir außerdem sehr wichtig, die Figur des Erzählers als Alfred Hitchcock wieder als aktives Element in die Geschichte einzubauen. Auch charmante nostalgische Sätze wie „die Anmerkung für alle, die nicht Englisch sprechen“ haben wir drin gelassen. Selbstverständlich mussten wir andere Sequenzen einstampfen oder vereinfachen (z.B. die Rätselsequenzen. In Originallänge hatten diese über 20 Minuten eingenommen). Außerdem haben wir die Nebenfiguren „bunter“ und interessanter gestaltet. Das Finale der Geschichte in den Geheimgängen unter Bert Clocks Haus ist dann allerdings komplett neu gestaltet. Wir waren der Meinung, dass der Showdown einer Bühnenshow einfach spektakulärer sein muss, als im Hörspiel wo die Geschichte ja etwas langweilig und fix zu Ende geht. Mit solchen Änderungen kann man es natürlich nicht allen Fans Recht machen, das ist mir bewusst. 

 

 

Als die Bühnenshow stand und der erste Auftritt in Berlin stattfand, waren Sie an diesem Abend aufgeregt oder was gehen dann für Gefühle in einem vor?

Ja, ich war aufgeregt, und wie! Man darf nicht vergessen, dass wir trotz der monatelangen Vorarbeit am Skript, eigentlich nur sechs Tage für die Proben mit dem gesamten Ensemble und der Bühnentechnik zur Verfügung hatten. Wir hatten zwar am Premierentag auch noch eine Generalprobe, aber man merkt erst so richtig vor zahlendem Publikum ob etwas funktioniert oder nicht. Ich war also sehr gespannt, ob wirklich alle Elemente zusammenkommen. Ich weiß ja auch, wie sich Lampenfieber anfühlt, wenn man auf der Bühne steht, aber als Regisseur ist das noch mal eine ganz andere Dimension, weil man ja selbst nicht mehr aktiv eingreifen kann. Gott sei Dank hat es ja dann bestens funktioniert und bei den Reaktionen des Publikums und den Standing Ovations hatte ich wirklich Gänsehaut. 

 

Wie waren die ersten Stimmen und Stimmungen direkt nach der Show?

Sehr enthusiastisch, auch wenn wir natürlich noch einige Szenen „auf dem Kieker“ hatten, Szenen, bei denen wir auch während der Tour immer noch Sachen verändert und geschoben haben. Es ist manchmal wirklich faszinierend welche Kleinigkeiten im Timing oder im Dialog darüber entscheiden, ob eine Szene lustig ist oder nicht. Bei der Präsentation der Bilder von Bob in der Zentrale haben wir nachträglich noch Dinge verändert, ebenso wie bei der Stelle im Reitstall, wenn die Drei das schnaubende Pferd (sprich: den Geräuschemacher) beruhigen müssen. Direkt nach der ersten Show waren aber alle Schauspieler begeistert und überwältigt von den Reaktionen des Publikums und das blieb eigentlich die ganze Tour über so. 

 

Hätten Sie im Nachhinein betrachtet vielleicht etwas anders machen wollen?

Es gibt selbstverständlich immer Kleinigkeiten, die einem erst später einfallen, die noch gut gepasst hätten. Wenn ich ganz ehrlich bin, hätte ich gerne hier und da auch noch etwas gekürzt, vor allem im zweiten Akt der Show. Sonst bin ich aber sehr stolz darauf, was wir mit diesem großartigen Team geschaffen haben. Die Arbeit an dieser Tour gehört jetzt schon zu den Highlights meines beruflichen Lebens und ich hoffe, dass wir das Publikum gut unterhalten haben.

 

Vielen lieben Dank für die Beantwortung der Fragen und viel Glück bei neuen Projekten!


Internet: www.dreifragezeichen.de

 

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