Hörbuch-Interview: Interview mit Sebastian Kuboth Hot


Am 25. Oktober 2009 wird das Punk-Hörspiel "Kein Halt in Freimann" veröffentlicht. Zusammen mit zahlreichen Punk-Bands wurde ein Hörspiel produziert, welches es so wahrscheinlich noch nicht gegeben hat. Wer wer über das Hörspiel und den Macher hinter dem großen Projekt erfahren möchte, sollte das folgende Interview lesen, welches wir mit Sebastian Kuboth geführt hat.



interview - kuboth cover



"Kein Halt für Freimann" wird als Punk-Hörspiel angepriesen. Was muss man sich unter einem Punk-Hörspiel denn vorstellen?


Das Stigma Punk-Hörspiel bzw. Punkrock-Hörspiel habe ich bewusst gewählt, einerseits damit die potentiellen Hörer, also alle, die im entferntesten Sinne etwas mit Punk, Punkrock, Ska oder Rock'n'Roll anfangen können, gezeigt bekommen, dass das Projekt etwas für sie sein könnte, andererseits, um mich von anderen Hörspiel-Produktionen abzuheben. Ein Hörspiel in dieser Form hat es meines Wissens noch nicht gegeben und gerade das ist mit Sicherheit auch der Reiz für viele der potentiellen Hörer. Den Leuten soll einfach klar sein, dass man während des Hörens von „Kein Halt in Freimann“ auch Punk-Musik auf die Ohren bekommt. Wer mit der Musik und der Attitüde, die dahinter steht, rein gar nichts anfangen kann, ist dann gleich vorgewarnt.

Im Grunde ist „Kein Halt in Freimann“ von der Machart her gesehen ein (fast) ganz normales Hörspiel. Die Unterschiede zu den meisten Produktionen liegt unter anderem darin, dass es keinen Erzähler gibt. Das Hörspiel besteht aus den Dialogen, sowie aus Monologen des Protagonisten. Damit soll bezweckt werden, dass der Hörer einen besseren Zugang zu der Gefühlswelt der Hauptperson findet. Er bekommt die inneren Konflikte mit, die ihn plagen, und entdeckt an vielen Stellen seine eigenen Charakterzüge. Dem Zuhörer soll also der Spiegel vorgehalten bekommen. Man kann die Gefühlswelt der Hauptfigur Fränk nachvollziehen und erkennt Parallelen. Dabei sind auch so manch negative Seiten, die mit Sicherheit jeder in sich trägt. Als nächstes muss natürlich die Thematik des Hörspiels genannt werden, die in dieser Form vermutlich noch in keinem Hörspiel behandelt wurde. Ein Punkrock-Hörspiel wäre natürlich kein Punkrock-Hörspiel, wenn es auch nicht die entsprechende Musik zu hören gäbe. Diese soll bezwecken, dass das Werk die nötige Authentizität und das passende Feeling verleiht bekommt.


Ist „Kein Halt in Freimann“ denn ein richtiges Hörspiel oder nur ein als Hörspiel getarnter Punksampler?

Natürlich handelt es sich bei „Kein Halt in Freimann“ um ein richtiges Hörspiel. Hätte ich nur einen Punksampler machen wollen, wäre der Arbeitsaufwand viel, viel geringer gewesen. Die Musik in dem Hörspiel soll das Ganze lediglich abrunden. Es sind im Hörspiel einige Musikeinlagen zu hören, jedoch nur an bestimmten Stellen als Übergang, Hintergrundmusik (auf einem Konzert z.B.) oder als Intro-/Abschlusssong. Damit sich jeder Hörer die Titel auch noch einmal in voller Länge anhören kann und weil die Musik ein wesentlicher Teil jeglicher Jugendbewegungen sind, habe ich mich dazu entschlossen, das Hörspiel in Form einer Doppel-CD auf den Markt zu bringen, damit der Soundtrack vollständig in das Produkt integriert ist. Dabei habe ich mich bemüht, die musikalische Untermalung so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Von Schrammel-Punk-Bands, über Ska-Punk, bis hin zu Deutschrock, Hardcore und Punk mit Elektro-Einflüssen ist da alles dabei.

Es war mir wichtig, die 13 Titel nicht nur einem Genre zuzuordnen, weil nicht nur die Hauptfigur des Hörspiels im Laufe seines Lebens viele Phasen durchmachte, die jeweils von anderer Musik geprägt waren, sondern auch die meisten Hörer nicht nur auf ein Genre festgelegt sind. Denn die Grenzen der verschiedenen Jugendkulturen sind fließend. Viele Punks werden im Laufe ihres Lebens zum Skinhead oder anders herum. Viele Metaller haben auch schon Punk-Phasen gehabt und am Ende sind viele dann doch wieder „Normalos“ geworden, weil dies am Ende dann doch die individuellste Art des Daseins ist. Schließlich gibt es keine Jugendkultur, in der man sich nicht uniformiert.


Können Sie kurz die Handlung erzählen?

„Kein Halt in Freimann“ erzählt davon, wie die Hauptfigur Fränk, der auf den ersten Blick sehr abgeklärt und bodenständig wirkt, im Laufe eines Tages von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Der Zuhörer kriegt durch die inneren Monologe von Fränk mit, welche Sorgen und Nöte ihn plagen und wo die Ursachen seiner Probleme liegen. Fränk kommt aus einem zerrütteten Elternhaus und wurde in seinem Leben immer wieder von Menschen enttäuscht, angefangen im Elternhaus bis hin zu engen Freunden. Die wohl größte Enttäuschung hat er durchmachen müssen, als er in jungen Jahren miterleben musste, wie Tom, der damals sein bester Freund und aufgrund des Altersunterschied gleichzeitig so etwas wie sein Ersatzvater war, nach der Trennung von seiner damaligen Freundin abstürzte und den Drogen erlegen war. Fränk schaffte es zwar, Tom wieder weg zu kriegen von den Drogen, doch dieser hatte mit dem Tom, den Fränk kennen lernte, nichts mehr zu tun. Die Wege der Beiden trennten sich daraufhin. Während Fränk sich im Laufe der Jahre weiterentwickelte, machte Tom nur noch mit negativen Dingen auf sich aufmerksam. Nach langer Zeit kreuzen sich die Wege von Tom und Fränk wieder, was die Folge hat, dass es in Freimann am Ende des Hörspiels zum Eklat kommt.


interview - kuboth fotoWie ist die Idee entstanden, ein Hörspiel auf die Beine zu stellen?

Hörspiele produziere ich bereits seit 2005. Damals habe ich angefangen mit dem Hörspiel-Zweiteiler „Kleine Fische“. Dieser war als Hommage an das alte München und den alten Münchner Serien („Meister Eder und sein Pumuckl“, „Die Hausmeisterin“ usw.) initiiert. Ursprünglich plante ich damals, ein Hörspiel als privates Spaß-Projekt auf die Beine zu stellen, da ich selbst mit Hörspielen verschiedener Couleur aufgewachsen bin und Lust hatte, auch einmal selbst ein Hörspiel zu produzieren. In dieser Zeit habe ich aus anderen Gründen den Münchner Schauspieler und Sprecher Gerhard Acktun kennen gelernt. Acktun war damals begeistert von dem Projekt und wollte mich dabei unterstützen. So kam es, dass ich auch andere professionelle Sprecher ins Boot nahm und das Hörspiel auch auf CD veröffentlichte. Seitdem arbeite ich mit Gerhard Acktun zusammen, er hat mittlerweile den Alogino Hörbuchverlag (www.alogino.de) gegründet. Der Verlag ist auf bayrische Hörspiel-Produktionen spezialisiert.

Seit meiner Jugend höre ich außerdem gerne Punkmusik. Seit 2001 bin ich unter anderem auch als Online-Redakteur für diverse Musikmagazine tätig und auch verschiedene Bandwebseiten habe ich schon betreut. Die Grundidee zu „Kein Halt in Freimann“ war, dass ich meine beiden Beschäftigungsgebiete „Hörspiel“ und „Musik“ zusammenfüge und ein „Musik-Hörspiel“ bzw. „Punk-Hörspiel“ auf die Beine stelle.


Wer war an dem Projekt alles beteiligt? Wer steckt hinter „Kein Halt in Freimann“?


Beteiligt sind elf verschiedene Bands bzw. Einzelkünstler, die das Hörspiel mit zum teil exklusiven Songs aufgewertet haben. Das sind hauptsächlich Münchner Bands wie Destination:Failure!, Taxgas, Mummy's Darlings oder The Gumbabies. Dann sind zahlreiche Münchner Schauspieler und Sprecher an dem Projekt beteiligt gewesen. Das war in erster Linie der junge Schauspieler und Sprecher Norman Sonnleitner, der die Hauptrolle gesprochen hat. Hinzu kommen Leute wie Eisi Gulp („Zuckerbaby“), Gerhard Acktun („Das Boot“, „Tatort“) Hansi Kraus („Die Lümmel von der ersten Bank“, „Lausbubengeschichten“), Erhard Hartmann („Götz von Berlichingen“), Michèle Tichawsky („Büro, Büro“), Jo Vossenkuhl, Axel König, Sabine Gutberlet, Claudia Burges und Daniel Langer.

Bei der Umsetzung der technischen Komponente bei „Kein Halt in Freimann“ haben mir Jakob Braun und Alessio Zachariades, beides Musiker der Band „Destination:Failure!“, geholfen. Beratend stand mir außerdem Tobias Felbel zur Seite, der ebenfalls als Solo-Künstler einen Song mit zu diesem Hörspiel beigetragen hat und der mir bei einigen organisatorischen Dingen zur Hand ging.


Können Sie sich vorstellen, noch weitere Produktionen dieser Art zu produzieren?


Auf jeden Fall. Ich plane im Moment wieder ein bayrisches Hörspiel und für das nächste bzw. übernächstes Jahr das nächste Hörspiel, das sich mit der Punk-Szene auseinandersetzt.


Für alle Interessierten: Wo kann man das Hörspiel überall kaufen?

In erster Linie natürlich auf der offiziellen Seite www.kein-halt-in-freimann.de, sowie in allen relevanten Punk-Mailordern.


Das letzte Wort gehört Ihnen!

Ich bedanke mich für Ihr Interesse und hoffe, dass das Medium Hörspiel – in all seinen Facetten – auch weiterhin Bestand hat.



Folgende Bands waren am Hörspiel beteiligt:
The Gumbabies
Destination:Failure!
Kein Signal
Taxgas
Mummy's Darlings
Kafkas Orient Bazaar
Tobsi
Pock
Brainbucks
The Moosholzers


Sprecherliste:

Fränk = Norman Sonnleitner
Christian = Erhard Hartmann
Tom  = Gerhard Acktun
Hahn  = Hansi Kraus
Teddy = Sabine Gutberlet
Bernd = Eisi Gulp
Lilli  = Michéle tichawsky
Petra = Claudia Burges
Martin = Axel König
Türsteher = Jo Vossenkuhl
Bernie = Daniel Langer



Internetseiten zum Thema:
www.kein-halt-in-freimann.de
www.sebastiankuboth.de


Das Hörspiel auf MySpace:
www.myspace.com/keinhaltinfreimann


Trailer bei YouTube:



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