Mit dem Hörspiel "Buchstabier mir LKW" feiert die Nachwuchsregisseurin, Johanna Steiner, ihr Hörspieldebüt. Mit dem Road-Hörspiel wird das raue Truckerleben mit der feinfühligen Coming-out-Story einer jungen Frau geschickt kombiniert. Im folgenden Interview plaudert die Jungregisseurin über die Entstehung ihres Hörspiels.
Wenn man ein Hörspiel zum Gratis-Download anbietet, geht es einem in erster Linie wohl kaum ums Geldverdienen. Warum hast du dieses Hörspiel produziert, wenn schon nicht wegen dem Geld?Johanna Steiner: Ich wollte diese Geschichte erzählen. Das mag pathetisch klingen, aber viel mehr steckte nicht dahinter. Ich will Hörspiele machen, das ist schon lange klar, und dann kam irgendwann diese Geschichte zu mir, und ich wollte, dass sie ein Publikum findet. Für mich ging es darum, auszuprobieren, ob ich das alles kann, ob ich schreiben kann, ob ich so was auf die Beine gestellt kriege, und natürlich ob das, was ich interessant finde, auch andere anspricht.
Wie kam es zu dem Titel "Buchstabier mit LKW"?
Johanna Steiner: Tom Astor ist schuld. Ich hab 2005 eine so genannte „Asphalthelden“-Compilation gehört und mich darüber zum ersten Mal mit diesem ganzen Trucker-Ding, dem Country-Feeling und der harten Realität von Fernfahrern beschäftigt. „Buchstabier mir LKW“ war eines der Lieder und wurde ein geflügeltes Wort für mich – der Spruch ist auch einfach ein Knaller. Erst 2007 hab ich genauer recherchiert und musste merken, dass Tom Astors Lied eigentlich „Buchstabiere LKW“ heißt – das hab ich mir einfach nur falsch gemerkt...
Das Hörspiel steht jetzt schon einige Zeit zum kostenfreien Download im Netz. Was sagen die Hörer über Dein Werk?
Johanna Steiner: Das Feedback ist überwältigend. Ich war relativ überzeugt, dass diese Geschichte bestenfalls einer kleinen Minderheit gefällt, weil sie sich formal, technisch und inhaltlich stark von den erfolgreichen Produktionen auf dem Hörspielmarkt unterscheidet. Die Resonanz im Netz ist unerwartet groß und beinahe durchweg positiv. Es gibt einen Eintrag im Gästebuch unserer Seite, da steht drin „eine, wenn nicht DIE schönste Geschichte, die ich kenne“. Da sitzt man dann schon da und muss ein paar Mal kräftig schlucken.
Wie kam es mit der Zusammenarbeit mit der Lauscherlounge?
Johanna Steiner: Ich arbeite seit drei Jahren für die Lauscherlounge, im Wesentlichen so als „Mädchen für alles“ im inhaltlichen Bereich. Als rauskam, dass ich ein Hörspiel mache, haben mir alle sofort Unterstützung angeboten. Die ich auch angenommen habe. Im Endprodukt selber hat die Lauscherlounge ihre Finger zwar nicht drin; der Weg dahin wäre ohne sie aber um einiges steiniger gewesen.
Hat dir Oliver Rohrbeck denn persönlich ein paar brauchbare Tipps mit auf den Weg gegeben?
Johanna Steiner: Wie man´s nimmt. Ich durfte Oliver in den letzten Jahren oft bei der Regie beobachten und habe wahnsinnig viel von ihm gelernt. Für „Buchstabier mir LKW.“ habe ich ihn nicht konkret um inhaltlichen Rat gefragt – das wollte ich alleine hinkriegen. Oliver wusste aber immer den ungefähren Stand der Dinge und hat immer seine Unterstützung angeboten. Nach Release hat er mir sehr ausführlich Kritik gegeben, sehr positive Kritik, und zum Beispiel bei einer Live-Lesung in der Abmoderation das Hörspiel dem Publikum ans Herz gelegt.
Wenn man mit der fertigen Geschichte dann endlich im Aufnahmestudio steht. Was ist das dann für ein Gefühl? Vor allem mit so namhaften Sprecher wie Detlef Bierstedt?
Johanna Steiner: In erster Linie ein Wahnsinnsgefühl. Man sitzt so lange mit dieser Geschichte im stillen Kämmerlein, und wenn man dann im Studio steht, wird zum ersten Mal greifbar, dass das alles tatsächlich irgendwann ein richtiges, echtes Hörspiel wird. Mit Detlef arbeite ich seit zwei Jahren relativ regelmäßig zusammen, und wir haben ein freundschaftliches Verhältnis, deswegen war die Arbeit mit ihm für mich persönlich gar nicht so aufregend. Viel aufregender war die Arbeit mit denen, die ich mir zusammengecastet hatte und überhaupt nicht kannte. Im Endeffekt waren die drei Tage im Studio hochkonzentriert, aber entspannt.
Nach was für Kriterien hast du überhaupt deine Sprecher ausgesucht?Johanna Steiner: Einige kannte ich ja schon. Detlef natürlich, aber vor allem auch Elmar, den Sprecher von „Ronny“, der ein guter Freund von mir ist und von Anfang an für diese Rolle eingeplant war. Die Sprecher von „Jelena“, „Paula“ und „Inkeri“, die Damen also, habe ich mithilfe einer Internetplattform gecastet: da kamen dann innerhalb einer Woche neunzig Bewerbungen samt Stimmprobe, und ich musste mich entscheiden. Ich hab das im Wesentlichen nach Gefühl ausgesucht, nach Stimmfarbe, aber natürlich auch nach Schauspielausbildung und Wohnort. Und voll ins Schwarze getroffen.
Ich habe gelesen, dass dir ein Lied von Tom Astor die Inspiration zu der Geschichte gegeben hat. Wie muss man sich das vorstellen?
Johanna Steiner: Naja, wie schon erwähnt, ich hab 2005 zum ersten Mal „Buchstabiere LKW“ gehört. Und neben dem Knallertitel ging mir auch eben der Inhalt des Liedes nicht aus dem Kopf. Es geht um einen Tramper, der mit einem Trucker mitfährt und merken muss, dass die romantischen Vorstellungen, die er vom Truckerleben hat, so ziemlich gar nicht mit der Realität übereinstimmen. Ich fand das ganz interessant und begann zu recherchieren. Ich hab mir ein halbes Jahr mit einem Trucker Emails geschrieben, und das hat auch noch die letzten Fünkchen Truckerromantik zunichte gemacht. Was ist das also für eine Branche, wo der Mythos so konsequent von der Realität abweicht? Ich wollte einfach mal hinter die Kulissen schauen.
Beim Thema Coming-Out denkt wohl niemand in erster Linie an schwere Trucks und stämmige Fernfahrer ... Du anscheinend schon. Wie kam diese Kombination zu Stande?
Johanna Steiner: Aus der Not heraus, muss ich zugeben. Ich saß nun also da mit all meinem Wissen über Trucker, ihr Leben und ihren Beruf, und konnte mir noch immer nicht vorstellen, dass ich um so jemanden eine Geschichte ranken kann. Nicht weil die nicht interessant genug sind, sondern weil ich mir nicht zutraute mich gut genug in einen vierzigjährigen Mann mit einem mir völlig fremden Alltag hineinversetzen zu können. So rückten die Trucker in die Nebenrollenposition. Klar war, dass jemand mit ihnen reisen müsste, für den das kein Alltag war und der auf dieser Reise einen Konflikt zu bewältigen hatte, der auch für die Trucker außergewöhnlich wäre. Das wurde dann zu Jelena und ihrer Liebe. Das Coming-Out steht dabei für mich gar nicht so im Vordergrund; es geht vor allem um die Reise und die Entwicklung, die Jelena macht.
Jetzt, wo dieses Projekt abgeschlossen ist, was hast du als nächstes vor? Sind vielleicht noch weitere Hörspiele in Planung?
Johanna Steiner: In der Tat sind zwei Folgeprojekte in Planung. Ein weiteres Einzelhörspiel, und dann noch eine kleine Serie, die wir auch Verlagen anbieten möchten. Alles befindet sich aber noch in der Konzeptionsphase und ist noch nicht spruchreif. Keinesfalls wird aber „Buchstabier mir LKW.“ das letzte bleiben, was man von mir gehört hat.
Der Gratis-Download im Internet: www.buchstabiermirlkw.de









